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Ein Rabe hatte ein Stück Fleisch gestohlen und saß damit auf
einem Baume. Der Fuchs sah ihn, und weil er sich das Fleisch aneignen
wollte, lief er herbei und lobte den Raben. Er sei stattlich und
schön, sagte er, und müsse deshalb König der Vögel
werden, und das würde durchaus auch geschehen, wenn er eine Stimme
hätte. Der Rabe nun wollte beweisen, dass er eine Stimme besitze;
er ließ darum das Fleisch fallen und krächzte laut. Da
sprang der Fuchs herzu, packte das Fleisch und sagte: "O Rabe, wenn du
auch Verstand besäßest, so hätte nichts gefehlt, und du
wärest König über alle geworden."
Auf einen dummen Kerl passt die Fabel sehr gut.
Auf einem Baume Meister Rabe hockt, im Schnabel hält einen Happen Käse. Vom Käseduft herbeigelockt, spricht Meiser Fuchs so fein als ob er läse: "Ei, guten Morgen, Herr von Rabe, was seid ihr hübsch, welch stattliches Gehabe! Nein, ohne Lüge, Eurer Stimme Pracht, wär sie so schön wie Dero Federpracht, Der Rabe schnappt fast über vor Begier; Gleich soll der Wohllaut seiner Stimme schnallen: er reißt den Schnabel auf und lässt den Käse fallen: den schluckt der Fuchs: es schmunzelte der Heuchler und sprach: "Mein Herr, ein jeder Schmeichler lebt gut und gern von dem, der auf ihn hört: die Lehre ist doch wohl ein Stückchen Käse wert!" Der Rabe, wütend und verdrossen, schwor ab, jedoch zu spät, für immer solchen Possen.
Ein Rabe trug ein Stück vergiftetes Fleisch, das der erzürnte
Gärtner für die Katzen seines Nachbars hingeworfen hatte, in
seinen Klauen fort.
Und eben wollte er es auf einer alten Eiche verzehren, als sich ein
Fuchs herbeischlich und ihm zurief: "Sei mir gesegnet,
Vogel des Jupiter!" - "Für wen siehst du mich an?", fragte der
Rabe- "Für wen ich dich ansehe?", erwiderte der Fuchs. "Bist du
nicht der rüstige Adler, der täglich von der Rechten des Zeus
auf die Erde herab kömmt, mich Armen zu speisen? Warum verstellst
du dich? Sehe ich denn nicht in der siegreichen Klaue die verfehlte
Gabe, die mir dein Gott durch dich zu schicken
noch fortfährt?"
Der Rabe erstaunte, und freut sich innig, für einen Adler gehalten
zu werden. "Ich muss" dachte er, "den Fuchs aus diesem Irrtume nicht
bringen." - Großmütig dumm ließ er ihm also sein Raub
herabfallen, und flog stolz davon.
Der Fuchs fing das Fleisch lachend auf, und fraß es mit
boshafter Freude. Doch bald verkehrte sich die Freude in ein
scherzhaftes Gefühl; das Gift fing an zu wirken, und er verreckte.
Möchtet ihr euch nie etwas anderes als Gift erloben, verdammte Schmeichler!
Des Morgens frühe Stund
nutzte ein Rabe für einen erstaunlichen Fund.
Es lag da ein köstlich Törtchen
an einem ganz verlassenen Örtchen.
Er schnappte es geschwind
und trug es fort, schnell wie der Wind.
Der Rabe flog zu seinem Lieblingsbaum,
neben einem Gebirgsbach, wie aus einem Traum.
Ein Fuchs kam des Weges entlang,
er sprach, "Einem Vogel wie ihnen ist nie bang!
Sie singen bestimmt den ganzen Tag,
so lieblich und schön, dass sie jeder mag.
Auch Feinde haben sie bestimmt nicht,
denn sie strahlen wie das hellste Licht."
Angetan von diesem Gerede sang der Rabe
und brachte sich so um seine ganze Habe.
Schnell schnappte der Fuchs das Essen
und dachte, mit ihm könne sich keiner messen.
Doch mit dem Bach hatte er nicht gerechnet,
er wollte über das Gewässer steigen und fiel ausgerechnet
mitten in das kühle Nass hinein.
Er öffnete das Maul zum schreien und dachte, "Oh nein!"
- zu spät, sein Diebesgut war schon verloren.
Was dachte der Rabe nur über den Toren?!
Die Moral aus dieser Geschicht,
wähne dich zu sicher nicht.
Die Natur ist manchmal unvorhersehbar,
oft birgt sie Tücken unerkennbar!
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